Welterbe

Die Wachau ein Welterbe – Warum?

Im Jahr 2000 erfolgte die Eintragung der Kulturlandschaft Wachau mit Beschluss des Komitees für das Erbe der Welt 24COM X.C.1 zur Nr. 970 in die Liste der Welterbestätten. Begründet wurde die Aufnahme damit, dass die Wachau ein Zeugnis kulturellen Austauschs bietet und ein Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung darstellt. Damit wertete das Welterbekomitee zwei Kriterien als einen außergewöhnlichen Wert.

  • Die Kulturlandschaft Wachau kann für einen Zeit- oder in einem Kulturraum der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen (II. Zeugnis kulturellen Austauschs).
  • Zudem stellt die Wachau ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften dar, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen (IV. Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung).

 

Die Wachau, ein Abschnitt des Donautals zwischen Melk und Krems, ist eine herausragende, von Bergen umgebene Flusslandschaft, in der greifbare Zeugnisse einer langen historischen Entwicklung bemerkenswert gut erhalten sind. Die Architektur, die Siedlungen und die Landwirtschaft in der Wachau illustrieren auf lebhafte Weise eine im Grunde mittelalterliche Landschaft, die sich im Laufe der Zeit organisch und harmonisch entwickelt hat. Die Abholzung der natürlichen Walddecke durch den Menschen begann im Neolithikum, zu radikalen Veränderungen der Landschaft kam es jedoch erst um 800, als die bayrischen und Salzburger Klöster begannen, die Hänge der Wachau zu kultivieren und das heutige landschaftliche Muster aus Weinterrassen anzulegen.

 

Mit diesen Eigenschaften ist die Kulturlandschaft Wachau ein Teil jener Hinterlassenschaften der Vergangenheit, mit denen wir heute leben und die wir an kommende Generationen weitergeben. Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) hat sich zum Ziel gesetzt, Ermittlung, Schutz und Bewahrung von kulturellem und natürlichem Erbe auf der ganzen Welt zu fördern und ihm als herausragendem universellem Zeugnis Geltung zu verschaffen. Dieses Anliegen wird mit einem einzigartigen internationalen Abkommen zum Ausdruck gebracht, welches als Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Convention Concerning the Protection of the World Cultural und Natural Heritage) bekannt ist, und das 1972 von der UNESCO verabschiedet wurde. Indem das Abkommen unter dem Welterbebegriff sowohl kulturelle als auch natürliche Schätze versteht, würdigt es das Zusammenwirken des Menschen mit der Natur sowie die grundlegende Erfordernis, zwischen beiden eine Balance zu finden und zu erhalten.

 

Die derzeitige Generaldirektorin der UNESCO, Irina Bokova, sieht die Eintragung einer Stätte in die Welterbeliste als den Beginn einer Reise. Welterbestätten, wie die Kulturlandschaft Wachau, können ein starker Antrieb für den Dialog, für den Erwerb von Wissen und für die Entwicklung sein. Wenn Unterkunftsmöglichkeiten, Verkehrswesen und Geschäftsleben in nachhaltiger Weise entwickelt sind, kann der Tourismus für die Stätte und die in ihr lebenden Menschen von großem Vorteil sein – sowohl sozial als auch wirtschaftlich.

Der Schutz des Welterbes dient dazu, den Dialog zwischen Kulturen zu fördern. Das Welterbe bildet das Fundament für die Versöhnung zwischen Völkern, und es trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaften bei. In einer sich verändernden Welt ist das Welterbe Erinnerung an alles, was die gesamte Menschheit eint.

 

aus: Das Welterbe – Die vollständige, von der UNESCO autorisierte Darstellung der außergewöhnlichsten Stätten unserer Erde, dt. Ausgabe München 2015.