Landesgalerie

Mit der im Gange befindlichen Errichtung der Landesgalerie Niederösterreich in Krems – Stein wird ein von bestimmten Kreisen geträumter Traum verwirklicht: auch Niederösterreich erhält einen Museumsneubau in modischer „Landmarkarchitektur“.
Und das im Weltkulturerbe Wachau, zu dessen Schutz „in Bestand und Wertigkeit“ sich die Republik Österreich durch Beitritt zur Welterbkonvention BGBl.Nr. 60/1993 verpflichtet hat.
Um die sich aufdrängende Unverträglichkeit dieses Prestigebaues mit Buchstaben und Sinn der sog. Welterbekonvention abzuklären wurde vom Land NÖ Michael Kloos/Aachen mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Dieses steht auf der Homepage des Landes NÖ zum Download zur Verfügung (http://www.noel.gv.at/Kultur-Freizeit/Kunst-Kultur/Kulturerbe/UNESCO-Welterbe.html).

Vordergründig hat der Gutachter die Erwartungen seines Auftraggebers, der zugleich Projektbetreiber ist erfüllt. Bei genauerer Betrachtung bringt das Gutachten jedoch besorgniserregende Fakten ans Tageslicht:

  • Die von der UNESCO geforderte Fähigkeit den „Herausragenden universellen Wert“ der Wachau als Kulturerbe im Sinne des Art. 4 der genannten Konvention zu beschützen, zu bewahren und an die künftigen Generationen weiterzugeben, ist namentlich bei den Verantwortlichen des Landes Niederösterreich nicht gegeben.
  • Alle architektonischen Schranken, die das Welterbe gebietet, sind (von staatlicher Seite!) aufgehoben; jeder, der Geld und Einfluss hat kann bauen wie es ihm beliebt.
  • Ein vom Gutachter gefordertes Verkehrskonzept fehlt: Die schon jetzt prekäre Verkehrssituation im Bereiche der beiden Kreisverkehre von Krems/Stein wird durch die bereits bewilligte Parkgarage samt dem darauf geplanten Trainingsplatz des SC Stein noch deutlich verschärft.
  • Die Kosten der zu schaffenden Gesamtlösung sind unbekannt.

 

Mit einer nur durch den Termin der nächsten Landtagswahl (2018) erklärbaren Hast wird ein in dieser Form mehr als fragwürdiges Museumsprojekt durchgedrückt.

Das sog. „HIA Gutachten“ wurde mit beträchtlichen Steuermitteln finanziert. Es lag bereits Ende August vor. Es wurde der UNESCO bis dato nicht vorgelegt. Ohne jegliche Konsultation wurden die bereits unterbrochenen Bauarbeiten wieder aufgenommen.
Die endgültigen Kosten sind infolge der noch ausstehenden Verkehrslösung unbekannt. Auch die Kosten des laufenden Betriebs wären angesichts der zeitnahen Schließung des sog „Essl – Museums“ neuerlich zu bewerten, wird durch dieses Projekts doch der finanzielle Handlungsspielraum künftiger Landesregierungen und des Bundes weiter eingeschränkt.
Zeitgleich mit der Errichtung eines abgehoben fürstlich geplanten und durchgezogenen Prestigebaues darben überwiegend ehrenamtlich geführte Kultureinrichtungen der Wachau vor sich hin. Mehr Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein ist somit nicht nur in gestalterischer Hinsicht gefordert.

Die Wachau ist unter führender Verantwortung der derzeitigen Landesregierung ihrer Streichung von der Liste des Welterbes entscheidend näher gekommen. Das ist für ein Aushängeschild der für Österreich so bedeutsamen Tourismuswirtschaft alarmierend!
Um weitere schwere Schäden am Weltkulturerbe Wachau zu vermeiden müssen die zuständigen Funktionäre zur Einhaltung ihrer (sich nicht nur aus internationalen Verträgen ergebenden!) gesetzlichen Pflichten gebracht werden.
Der „Arbeitskreis Welterbe Wachau“ wendet sich daher unter Einbeziehung der Österreichischen UNESCO-Kommission, an die zuständige Stelle im Bundeskanzleramt, die in den gesetzgebenden Körperschaften vertretenen Parteien, an in und ausländische Medien sowie an die zivile Öffentlichkeit und ersucht diese, in diesem Sinne auf die Verantwortlichen im Land Niederösterreich einzuwirken.

 

Aus dem Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt BGBl. Nr. 60/1993:
Artikel 4
Jeder Vertragsstaat erkennt an, daß es in erster Linie seine eigene Aufgabe ist, Erfassung, Schutz und Erhaltung in Bestand und Wertigkeit des in seinem Hoheitsgebiet befindlichen, in den Artikeln 1 und 2 bezeichneten Kultur- und Naturerbes sowie seine Weitergabe an künftige Generationen sicherzustellen. Er wird hierfür alles in seinen Kräften Stehende tun, unter vollem Einsatz seiner eigenen Hilfsmitteln und gegebenenfalls unter Nutzung jeder ihm erreichbaren internationalen Unterstützung und Zusammenarbeit, insbesondere auf finanziellem, künstlerischem, wissenschaftlichem und technischem Gebiet.

 

 

*Bild Quelle: https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/kaum-praesentiert-eckt-neubau-der-landesgalerie-schon-an